Bundesgerichtshof prüft Rückforderung von Verlusten aus Online-Casino-Spielen

Leon Klein · Nov 4, 2026

Bundesgerichtshof prüft Rückforderung von Verlusten aus Online-Casino-Spielen

Gerichtsgebäude des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe mit Fokus auf die Eingangshalle und Justizsymbolik

Der Bundesgerichtshof befasst sich derzeit mit einem Verfahren, das klärt, ob Spieler Geld zurückfordern können, das sie bei nicht lizenzierten Online-Casinos verloren haben, und das betrifft einen konkreten Fall um rund 10.000 Euro, die ein Nutzer zwischen Dezember 2020 und September 2022 bei Tipico Games eingesetzt hat.

Der konkrete Fall und die Verhandlungen

Das erste Zivilsenat des BGH hörte am Verhandlungstag Argumente zur Nichtigkeit von Verträgen, die gegen den Glücksspielstaatsvertrag verstoßen, und bezog sich dabei auf frühere Entscheidungen des Landgerichts Heilbronn sowie des Oberlandesgerichts Stuttgart, die zugunsten des Spielers ausfielen, während das EuGH-Urteil vom April 2026 die deutschen Verbotsregelungen bestätigte; eine endgültige Entscheidung steht noch aus und betrifft zugleich Hunderte ähnlicher Verfahren.

Die Klage stützt sich darauf, dass die Plattform ohne die erforderliche Lizenz nach dem Staatsvertrag operierte, was nach Ansicht der Vorinstanzen die Spielverträge unwirksam macht und eine Rückabwicklung ermöglicht, und die Richter des BGH prüfen nun, ob diese Linie bundesweit Bestand hat.

Rechtliche Grundlagen des Glücksspielstaatsvertrags

Der Glücksspielstaatsvertrag regelt seit Jahren den Markt für Online-Glücksspiele in Deutschland und schreibt vor, dass Anbieter eine behördliche Erlaubnis benötigen, bevor sie Spiele anbieten dürfen, während Verstöße zu zivilrechtlichen Folgen wie der Nichtigkeit von Verträgen führen können, und genau diese Regelung bildet den Kern des anhängigen Verfahrens vor dem BGH.

Im vorliegenden Fall ging es um Einsätze auf einer Plattform, die zum Zeitpunkt der Verluste noch keine vollständige deutsche Lizenz besaß, sodass die Frage entstand, ob Spieler Ansprüche auf Erstattung geltend machen können, und die unteren Gerichte hatten diese Möglichkeit bereits bejaht.

Entscheidungen der Vorinstanzen und EuGH-Urteil

Das Landgericht Heilbronn sowie das Oberlandesgericht Stuttgart hatten in früheren Instanzen festgestellt, dass die Verträge wegen Verstoßes gegen den Staatsvertrag nichtig sind und der Spieler daher sein Geld zurückverlangen kann, während das EuGH-Urteil vom April 2026 die Zulässigkeit solcher nationalen Verbote bestätigte und damit die Position der deutschen Gerichte stärkte.

Das Verfahren trägt das Aktenzeichen I ZR 216/25 und gilt als Leitentscheidung, die für zahlreiche Parallelverfahren richtungsweisend sein wird, und Beobachter verfolgen den Ausgang genau, weil er die Durchsetzung von Verlustrückforderungen bei ausländischen Anbietern beeinflusst.

Symbolische Darstellung eines Online-Casino-Bildschirms mit deutschen Lizenzhinweisen und Justizwaage im Hintergrund

Breitere Auswirkungen auf ähnliche Verfahren

Hunderte vergleichbarer Klagen ruhen derzeit, bis der BGH sein Urteil spricht, und die Entscheidung wird zeigen, ob Spieler systematisch Beträge zurückfordern können, die sie vor der vollständigen Lizenzierung bei Anbietern wie Tipico Games verloren haben, und dabei spielen die genauen Zeiträume sowie die konkreten Vertragsbedingungen eine entscheidende Rolle.

Rechtsexperten weisen darauf hin, dass die Verhandlungsergebnisse des ersten Zivilsenats auch für zukünftige Fälle maßgeblich bleiben, in denen Spieler Verluste aus der Zeit vor der vollständigen Umsetzung des Staatsvertrags geltend machen, und das Verfahren wird daher als wegweisend für die gesamte Branche betrachtet.

Verfahrensstand und nächste Schritte

Nach der mündlichen Verhandlung steht die schriftliche Urteilsbegründung noch aus, und die Parteien erwarten eine Entscheidung in den kommenden Monaten, während das Gericht bereits angekündigt hat, dass es die europarechtlichen Vorgaben des EuGH-Urteils vom April 2026 in seine Bewertung einbeziehen wird.

Der Fall zeigt, wie nationale und europäische Rechtsprechung ineinandergreifen, wenn es um die Rückabwicklung von Spielverträgen geht, und er liefert zugleich einen Überblick darüber, welche Kriterien künftig für die Wirksamkeit von Online-Casino-Verträgen gelten.

Fazit

Das Verfahren vor dem Bundesgerichtshof fasst zentrale Fragen der deutschen Glücksspielregulierung zusammen und wird voraussichtlich klären, in welchem Umfang Spieler Verluste bei nicht lizenzierten Anbietern zurückfordern können, und der Ausgang beeinflusst damit unmittelbar Hunderte anhängiger Verfahren. Weitere Informationen finden sich im Tag24-Bericht zu diesem Verfahren.